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Sigrid Weise

Sigrid Weise ist eine Berliner Künstlerin.

Wechselnde Tätigkeiten und Perspektiven prägen das Leben von Sigrid Weise. 1964 in Berlin-Tempelhof geboren, absolvierte sie nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung als Bürofachkraft, bevor sie 1985 das Studium der Malerei an der HdK Berlin und der Geografie an der TU Berlin begann. Auf dem Weg zum Abschluss ihres Kunststudiums bei Prof. Herrfurth wurde ihre künstlerische Ausrichtung stark durch Einflüsse von Prof. Erdmann (Textile Gestaltung) und Prof. Franoszek (Druckgrafik) geprägt. Nach dem Abschluss als Meisterschülerin der HdK Berlin 1993 studierte Weise im Rahmen eines Erasmus-Stipendiums mehrere Monate mit Schwerpunkt printmaking bei Tim Mara am Royal College of Art in London.

Drucktechnik und Malerei, Skulpturen und Fotografien, Bühnenbild- und Maskenbildprojekte sowie die Leitung von Keramikwerkstätten verschiedener Einrichtungen in Berlin spiegeln das vielfältige künstlerische und kunstpädagogische Interesse von Sigrid Weise wider, das ihren bisherigen Lebenslauf prägt. Die entstandenen facettenreichen Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen einem breiten Publikum präsentiert.

Eine gemeinsam mit Myriam Décroze im Rahmen der Frauenförderung der HdK realisierte Skulptur wurde mehrfach ausgestellt, u.a. auf der 4th Biennal of European Academies of Visual Arts in Maastricht 1993, in der Neuen Galerie und der Quergalerie der HdK sowie in den Räumen der GEHAG in Berlin. »Zartbesaitete dürfen sich unter das Runddach […] luftig offener Zeltkonstruktion flüchten. Sie ist im Inneren flaumig gefedert, nach außen abweisend […]«1, schrieb der Tagesspiegel 1995.

Ausstellungen im näheren Umfeld – 2001/02, 2006/07 in der Galerie im Rathaus Tempelhof sowie 2011 in der 198 Galerie in Tempelhof stehen neben Ausstellungen in anderen Galerien Berlins und der Umgebung (z.B. Galerie in der 7. Etage, Eternit, Berlin; Galerie der Turm, Königs Wusterhausen) sowie im Ausland (Entrance Gallery, London).

Parallel zu ihrer künstlerischen Arbeit war Sigrid Weise die Durchführung kunstpädagogischer Projekte an verschiedenen Berliner Schulen und Institutionen immer wieder ein persönliches Anliegen, wobei hier die langjährige Leitung der Keramikwerkstatt der Blindenanstalt in Berlin hervorzuheben ist.

Verbindendes Element der Werke und kunstpädagogischen Projekte ist die intensive Beschäftigung mit Fragen der Wahrnehmung von inneren und äußeren Räumen und ihre künstlerische Transformation, die dem Betrachter ein ›mehrdeutiges, nicht festgelegtes Sehen im Bild‹ ermöglicht und geradezu abverlangt. Dabei werden auch existenzielle Fragen nicht ausgeblendet, wie z.B. in dem jüngsten Projekt, in dem sich Sigrid Weise mittels abstrahierender fotografischer Mehrfachbelichtungen von Grabaufnahmen auf Berliner Friedhöfen dem Thema Abschied und Erinnerung widmet.

Der Titel des Buches WechselBlick ist einerseits Motto ihrer subjektiven Sicht der Lebensumwelt und andererseits Ergebnis ihrer Kunst, nicht denkbar ohne ihren Bezug zur Familie, zu ihren drei Söhnen und zu ihrer pädagogischen Arbeit.

Sibylle Merker

1 (E.K), Pappschachtelcity. In: Der Tagesspiegel vom 22.11.1995, S. 26.