Eilert Bartels: WOMANoid - Frauen sind Menschen

Nachdem Eilert Bartels 2019 in seinem Buch "huMANNoid - Männer sind Menschen" 16 verschiedene Männer im Alter von 26 bis 75 Jahren interviewt hat und diese bar jeder Kleidung vor den Kameras zweier Fotografen alle Rollen abgelegt hatten und sich so zeigten, wie sie sind, folgt nun mit dem Buch "WOMANoid - Frauen sind Menschen" mit den Interviews und Fotografien von 16 Frauen der zweite Band im Rahmen seines Projekts. Dabei tat sich auch hier für die Beteiligten ein Raum der Begegnung mit sich selbst auf: Wer bin ich, wenn außer mir nichts ist? Keine Rolle, keine Funktion, die zu erfüllen ist. Was gibt es zu verlieren, was zu gewinnen? Wer dieses Buch zur Hand nimmt, kann teilhaben an der bewegenden und zuweilen aufwühlenden Auseinandersetzung der interviewten Frauen mit der oft angstbesetzten Erfahrung, einfach „ich selbst“ zu sein, jenseits aller stabilisierenden Rollenbilder und Rollenerwartungen.

FRAUEN SIND MENSCHEN                                                                        MÄNNER SIND MENSCHEN

Und dabei erscheinen mir Menschen nur als FRAUEN oder MÄNNER. Dieses Spannungsfeld, dieses Sowohl - als - auch, ruft Eilert Bartels mit diesem Buch sanft und kraftvoll ins Bewusstsein. Wir sind gleichzeitig in der Polarität der Geschlechter ähnlich UND mit der Ähnlichkeit im Menschsein als Frauen und Männer unterschiedlich. Wir alle sind Menschen – jeder eine ganz eigene, einzigartige Mischung aus Yin - und Yang - Anteilen, völlig unabhängig vom physischen Geschlecht. Gleichzeitig erleben wir uns (meist?) als Frauen oder Männer.

Die patriarchale Matrix, die seit urlanger Zeit vorgibt, was als ‚weiblich‘ oder ‚männlich‘ zu verstehen sei, hat uns alle geprägt. Darin entkommt niemand dem – oft anhaltend wirksamen – Imperativ, als Preis für die Entwicklung einer (geschlechtlichen) Identität die Reduktion seiner Menschlichkeit auf die angeblich ‚weibliche‘ oder  ‚männliche‘ Seite hinzunehmen: Als Mädchen/Frau steht dir die Emotionalität, Beziehungs- und Hingabefähigkeit, der Zugang zum Lebendigen IN dir zu. Das krasse kulturelle Kondensat davon ist das überhöhte Mutter(Maria)bild, hinter dem die Frau, der weibliche Mensch in der Vielheit ihrer Qualitäten (auch der dunklen) kaum mehr wahrnehmbar wird. Als Junge/Mann sollst du dich (auch kantig) vertreten und selbstbestimmt deinen Zugriff auf das Lebendige AUSSERHALB von dir beweisen. Sei Held/Retter und zeige, dass du – obwohl Mann – edel, hilfreich und gut bist. Aber belästige die Welt nicht mit ‚weibischer‘ Schwäche, Verletzlichkeit, zarten Bedürfnissen. Wenn wir diese Verstümmelung unserer Ganzheit erkennen, beginnt die Arbeit der Rückeroberung und Integration der anderen Seite in uns. Als MENSCH gehört alles zu uns, fallen diese Beschränkungen nach innen und außen weg, wirken nurmehr absurd.

Danke für dieses Buch. Ich fühle mich beschenkt, bereichert, erweitert.

Eilert macht in WOMANoid wie in huMANNoid einen Raum auf, in dem Menschen sichtbar werden in ihrem einfachen, gar nicht so unähnlichen Menschsein als Frauen, als Männer. Seine Einladung an die 16 Frauen, einfach zu SEIN, wirkt auf mich schon in den Bildern, durch die Bilder, berührend. Ungeschminkt, ohne Posingvorgabe, nicht geschönt durch Photoshop, werden Frauen-Menschen sichtbar, erkennbar, fühlbar. Ich kann mich als Mann-Mensch darauf einlassen, meinen konditionierten ‚Objekt - Blick‘ bemerken und entlassen, mich einfach daran freuen, dass sich Frauen hier zeigen, wie sie gerade sind – einfach Menschen eben und genau darin wunderschön.

Danke euch Frauen, dass ich so einen tiefen Einblick gewährt bekomme in diesen schlichten Fotos und dass ihr, den Fragenimpulsen nachgehend, euch auch ‚von innen‘ zeigt.  Danke für eure Aufrichtigkeit, euren Mut, eure Kraft und Verletzlichkeit, eure Wünsche und Bedürfnisse, eure einzigartige Mischung menschlicher Licht- und Schattenseiten, die Anmut eures genau so Seins. In diesem Sichzeigen, Sichsichtbar -, Erkennbarmachen und dem Gesehen-, Erkannt - und Bezeugtwerden, liegt für mich DIE große Medizin zur Heilung: unter Männern (da weiß ich es aus Erfahrung), unter Frauen (davon gehe ich aus) und zwischen den Geschlechtern. Damit wir endlich den ältesten Krieg auf der Erde – zwischen Frauen und Männern – beenden. Dafür wirkt dieses Buch.

Martin Braun, Männercoach